|Tim Cant

Evolving Soundscapes gestalten: Sound-Design-Workflow mit Absynth 6

Teilen Link kopiert
Evolving soundscapes with Absynth featured

Absynth 6 ist die neueste Version des legendären semimodularen Hybrid-Synthesizers – und er ist noch leistungsfähiger und intuitiver zu bedienen als je zuvor.

Mit seinen unvergleichlichen Möglichkeiten zur Klangformung ist Absynth das ideale Instrument für Sound-Designer*innen, die Grenzen erweitern und einzigartige, sich entwickelnde Soundscapes für Film, Fernsehen oder Games erschaffen wollen.

In diesem Guide zum Sound-Design mit Absynth 6 zeigen wir dir, wie du von Grund auf eine sich entwickelnde Soundscape kreierst, flexible Modulation mit einem MSEG-Tutorial meisterst und die Zuweisung von polyphonem Aftertouch entdeckst.

Springe direkt zu den Abschnitten:

Mach direkt mit im neu aufgelegten Absynth 6.

Absynth 6 entdecken

Was ist eine sich entwickelnde Soundscape?

Eine sich entwickelnde Soundscape ist eine sich kontinuierlich verändernde Klangumgebung, in der Texturen, Tonhöhen und Dynamik im Zeitverlauf variieren. Neben Musikgenres wie Ambient kommen solche Klangwelten vor allem in narrativen Medien wie Film, Fernsehen und Games zum Einsatz, um Szenen eine zusätzliche atmosphärische Tiefe zu verleihen.

Hans Zimmers „Bene Gesserit“ aus seinem Soundtrack zu Dune (2021) ist ein paradehaftes Beispiel für ein Musikstück, das eine sich kontinuierlich entwickelnde Sound-Collage nutzt, um eine dramatische Atmosphäre aufzubauen.

Wie funktioniert das Hüllkurvensystem von Absynth?

Das MSEG-System (Multi-Stage Envelope Generator) von Absynth 6 ist ein fortschrittliches Modulationswerkzeug, das eine dynamische, extrem detaillierte Parametersteuerung ermöglicht. MSEGs arbeiten mit Breakpoints, deren Pegel, Timing und Steigung sich jeweils individuell anpassen lassen, um komplexe Modulationsverläufe zu formen.

Diese Hüllkurven lassen sich frei editieren, loopen und zum Host-Tempo deiner DAW synchronisieren. Da MSEGs praktisch jedem Parameter im Synth zugewiesen werden können, sind sie überaus mächtige Werkzeuge, um vielschichtige, detailreiche und organisch wachsende Texturen zu gestalten.

Dank dieser Flexibilität eignen sich Absynths MSEGs perfekt für organische Soundscapes, morphende Pads und filmische Klangfarben, die sich im Zeitverlauf dramatisch verändern.

Wie lässt sich MPE fürs Sound-Design nutzen?

MPE (MIDI Polyphonic Expression) ermöglicht es, dass jede gespielte Note individuelle Ausdrucksdaten wie Pitchbend, Klangfarbe (Timbre) und Druck überträgt. Das eröffnet gegenüber herkömmlichem MIDI völlig neue Kontrollmöglichkeiten: Werden diese Parameter auf Filter, Modulationstiefen oder Synthese-Engines geroutet, können Sound-Designer*innen fließende, lebendige Sounds formen.

Lass uns direkt ins Sound-Design mit Absynth 6 einsteigen und schauen, wie sich ein MPE-Synth-Workflow integrieren lässt.

Sich entwickelnde Soundscapes gestalten

1. Sound Sources und MSEG-Modulation

Absynth ist ein semimodularer Hybrid-Synth. Das bedeutet, dass er verschiedenste Klangerzeugungsverfahren flexibel miteinander kombiniert – und das macht ihn extrem vielseitig. Um das Beste aus dieser mächtigen Architektur herauszuholen, empfiehlt sich ein zielgerichtetes Vorgehen. Fangen wir also damit an, den grundlegenden Charakter unseres Sounds zu definieren.

Das Initial-Patch beim Öffnen von Absynth ist ein einfacher Sinuston, der von der Sound Source in Channel A erzeugt wird.

Sound Source von Channel A
Sound Source von Channel A

Dieser durchgehende Dauerton klingt noch nicht sonderlich spannend. Verleihen wir ihm also mit einem Multi-Stage Envelope Generator etwas organische Bewegung. Klicke oben im Display auf den Envelope-Button, um die MSEGs aufzurufen.

Der Envelope-Button
Der Envelope-Button

Hier siehst du, dass dem Initial-Preset bereits MSEGs für die Lautstärke (Amplitude) der Oszillatoren A, B und C zugewiesen sind. Aktuell sind diese noch nicht sehr dynamisch – sie bleiben bis zur Release-Phase auf dem Maximalwert. Das ähnelt einer klassischen ADSR-Hüllkurve mit hohem Sustain und mittlerem Release.

Die anfängliche Amplitude-Hüllkurve
Die anfängliche Amplitude-Hüllkurve

Du kannst den Verlauf der Amp-Hüllkurve von Oszillator A anpassen, indem du die kreisförmigen Breakpoints verschiebst. Ziehe die Breakpoints der Hüllkurve Oscil A Amp wie abgebildet ganz nach unten – einmal bei etwa 1,5 Sekunden und einmal bei etwa 3 Sekunden.

Erstellen eines weichen Fade-Verlaufs
Erstellen eines weichen Fade-Verlaufs

Mit den LFO-Funktionen des MSEG können wir die Amplitudenmodulation noch abwechslungsreicher gestalten. Unabhängig vom Haupt-LFO-Bereich des Synths ermöglicht der MSEG-LFO eine LFO-typische Bewegung direkt auf der Hüllkurvenform. Klicke auf den Schieberegler neben „LFO“, um ihn zu aktivieren, klicke dann auf die Wellenform und wähle „Fifth“ aus der Liste der verfügbaren Wellenformen aus.

Zuweisen eines MSEG-LFOs
Zuweisen eines MSEG-LFOs

Damit diese Bewegung dauerhaft anhält, versetzen wir die Hüllkurve in den Loop-Modus. Wähle dazu Sustain aus und ändere den Modus auf Loop.

Wechsel in den Loop-Modus
Wechsel in den Loop-Modus

Wird nun eine gehaltene Note gespielt, wiederholt sich die Hüllkurve im Loop.

2. Den Sound mit FX veredeln

Jetzt haben wir bereits eine interessantere Klangbasis, aber der Sound wirkt noch sehr roh – und genau hier kommt das FX-Modul von Absynth ins Spiel.

Kehre über den Button oben in der Benutzeroberfläche zur Patch-Page zurück.

Der Patch-Button
Der Patch-Button

Aktiviere das FX-Modul unten rechts im Interface, indem du auf das runde Symbol auf der linken Seite des Moduls klickst. Der Standardeffekt ist der granulare Aetherizer, der unserem Patch eine traumartige Textur verleiht. Präzise Parameterwerte kannst du festlegen, indem du doppelt auf einen Parameter klickst und den Wert über die Tastatur eingibst. Setze Feedback auf diese Weise auf 60.

Den Aetherizer einrichten
Den Aetherizer einrichten

Der Aetherizer verleiht unserem Patch einen sphärischen Ambient-Charakter. Doch abgesehen von der geloopten Hüllkurve wirkt das Klangbild noch recht statisch. Nutzen wir ein Insert, um die Klangfarbe im Zeitverlauf zu verändern.

3. Ein Insert für die Klangfarbenentwicklung hinzufügen

Mit einem der Inserts von Absynth können wir die Klangfarbe gezielt weiterentwickeln. Klicke dazu auf das runde Symbol auf der linken Seite des Moduls und anschließend auf den Filternamen, um eine Liste der verfügbaren Filter zu öffnen. Wähle hier Waveshaper aus.

Einen Waveshaper zuweisen
Einen Waveshaper zuweisen

Ändere die Wellenform des Waveshapers im Dropdown-Menü von Sine auf Triangle.

Waveshaper-Wellenform auf Triangle ändern
Waveshaper-Wellenform auf Triangle ändern

Das verändert die Klangfarbe des Sinus-Oszillators und erzeugt einen angenehm flötenartigen Sound.

Wenn du beim Anspielen des Patches am Phase-Parameter drehst, wirst du merken, wie stark sich das klangliche Gesamtergebnis verändert. Genau diesen Parameter modulieren wir jetzt automatisiert mit einem MSEG.

4. Den Sound im Zeitverlauf formen

Klicke im Envelope-Bereich auf „New Envelope“, um eine Hüllkurve hinzuzufügen.

Eine neue Hüllkurve hinzufügen
Eine neue Hüllkurve hinzufügen

Es öffnet sich ein Menü, in dem du auswählen kannst, welchen Parameter du der Hüllkurve zuweisen möchtest. Wähle das A1-Modul und den Parameter WS Phase A1 aus. Klicke anschließend auf „Add“, um die Hüllkurve anzulegen.

Einen Parameter auswählen
Einen Parameter auswählen

Ziehe an der Timeline, um die Ansicht der Hüllkurve herauszuzoomen, und übernimm die hier gezeigten Einstellungen, um den Phase-Wert im Zeitverlauf dezent anzuheben.

Eine langsame Modulation erstellen
Eine langsame Modulation erstellen

Damit entwickelt sich unser Sound schon spürbar weiter, ist aber immer noch relativ schlicht. Fügen wir einen weiteren Layer hinzu, um mehr klangliche Komplexität zu erzeugen.

5. Einen weiteren Channel hinzufügen

Aktiviere die Sound Source in Channel B, klicke auf den Oszillatortyp und wähle aus der Liste „FM Oscillator“ aus.

Den Sound-Source-Typ ändern
Den Sound-Source-Typ ändern

Stelle Pitch auf -12 und den FM-Index auf 6,5 ein.

Den FM-Oszillator einrichten
Den FM-Oszillator einrichten

Füge im Envelope-Bereich eine weitere Hüllkurve hinzu und stelle sie diesmal so ein, dass sie die Lautstärke von Channel B moduliert.

Eine Hüllkurve zur Lautstärkemodulation von Channel B einrichten
Eine Hüllkurve zur Lautstärkemodulation von Channel B einrichten

Klicke auf den Hintergrund der Hüllkurve, um sicherzustellen, dass keine Breakpoints ausgewählt sind. Klicke dann auf den Transform-Button und wähle „Generate AR Pulse“.

Auswahl von „Generate AR Pulse“
Auswahl von „Generate AR Pulse“

Es öffnet sich ein Fenster mit Parametern zur automatischen Erstellung einer Hüllkurve. Wir belassen es bei den Standardeinstellungen. Klicke auf „Apply“, um die Hüllkurve zu erzeugen.

AR Pulse wird erzeugt
AR Pulse wird erzeugt

Stelle den Modus der Hüllkurve auf „Loop“ – so verleihst du deinem FM-Oszillator eine durchgehende rhythmische Bewegung.

Loop-Modus für die Hüllkurve
Loop-Modus für die Hüllkurve

Zurück auf der Patch-Page: Aktiviere den ersten Insert und stelle ihn auf „Freq Shift“ ein.

Aktivierung eines Frequency Shift-Inserts
Aktivierung eines Frequency Shift-Inserts

Stelle die Frequenz auf 800 Hz und das Feedback auf 100 ein.

Den Frequency Shift-Insert einrichten
Den Frequency Shift-Insert einrichten

Stelle den Lautstärke-Fader darunter auf 90 ein, um dieses Element auf den ersten Kanal abzustimmen.

Die Kanäle aufeinander abstimmen
Die Kanäle aufeinander abstimmen

Erstelle nun in der Envelope View eine neue Hüllkurve, um die Tonhöhe des Frequency Shifters langsam über die Zeit zu modulieren.

Modulation der Tonhöhe des Frequency Shifters
Modulation der Tonhöhe des Frequency Shifters

Mit den LFOs des Synths können wir dem Sound noch mehr Bewegung verleihen. Probieren wir das direkt aus.

6. LFO-Modulation

Klicke oben im Interface auf den LFO-Button, um die LFO View aufzurufen.

Die LFO View
Die LFO View

Stelle die Wellenform des ersten LFOs auf der linken Seite auf „Saw“ und erhöhe die Zeit auf 15 Sekunden.

Einstellen der LFO-Zeit
Einstellen der LFO-Zeit

Ziehe nun den horizontalen Pitch-Fader auf, um ihn auf die Tonhöhe des Synths anzuwenden. Wir wählen einen Wert von 24,000. Aktiviere den A-Button, damit die Tonhöhenmodulation auf Kanal A angewendet wird.

Zuweisen der Tonhöhenmodulation
Zuweisen der Tonhöhenmodulation

Das verändert den Sound drastisch und macht ihn weniger tonal, dafür aber umso atmosphärischer.

Eine weitere Möglichkeit zur Sound-Modulation ist polyphoner Aftertouch. Richten wir nun eine polyphone Aftertouch-Modulation ein.

7. Polyphone Aftertouch-Modulation

Nutzen wir den Tastendruck des polyphonen Aftertouchs, um die Lautstärke des zweiten Kanals zu steuern.

Klicke oben im Interface auf den Assign-Button, um die Assign View aufzurufen.

Die Assign View
Die Assign View

Wähle im Bedienfeld oben links „Aftertouch“ aus und klicke dann im Hauptbereich auf den Button „Polyphonic Aftertouch“.

Polyphonic Aftertouch aktivieren
Polyphonic Aftertouch aktivieren

Um polyphonen Aftertouch einem Parameter zuzuweisen, klicke neben dem Schriftzug „Parameter“ auf den Add-Button.

Der Add-Button
Der Add-Button

Wähle aus der Liste „Oscil B Amp“, um den polyphonen Aftertouch-Druck auf die Amplitude von Oszillator B zu routen.

Polyphonic Aftertouch zuweisen
Polyphonic Aftertouch zuweisen

Jetzt kannst du die Lautstärke von Oszillator B über den Tastendruck des polyphonen Aftertouchs steuern – das eröffnet dir eine ganz neue Dimension expressiver Kontrolle.

Modulation über Polyphonic Aftertouch-Druck
Modulation über Polyphonic Aftertouch-Druck

8. Neue Sounds mit Sound Mutation erstellen

Zu guter Letzt werfen wir einen Blick auf Sound Mutation. Damit lassen sich ganz unkompliziert neue Sounds aus einem bestehenden Patch erzeugen. Die Sound-Mutation-Tools findest du im Browser. Klicke oben im Interface auf den Browser-Button, um die Browser View zu öffnen.

Die Browser View
Die Browser View

Die Parameter für Sound Mutation befinden sich unten auf dieser Seite und lassen sich über das Pfeilsymbol ausklappen. Hier kannst du bestimmte Elemente sperren, die Mutationsintensität anpassen und einen Blick in die (vielversprechend betitelte) Mutation History werfen.

Um einen Sound zu mutieren, klicke einfach auf den Mutate-Button.

Der Mutate-Button
Der Mutate-Button

Dank des Zufallsfaktors von Sound Mutation weiß man nie genau, was beim Mutieren herauskommt. Hier ist ein Mutationsbeispiel des Patches, den wir gerade erstellt haben.

Gefällt dir eine Mutation nicht, klickst du einfach auf „Retry“, um beliebig viele alternative Versionen zu generieren. Über die Mutation History kannst du zudem jederzeit zu deinen erstellten Mutationen zurückkehren.

9. Surround-Sound einrichten

Um die Surround-Einstellungen von Absynth 6 zu konfigurieren, klicke oben links im Interface auf den Menü-Button und wähle „Surround Configuration“.

Die Option „Surround Configuration“
Die Option „Surround Configuration“

In diesem Menü kannst du verschiedene Surround-Setups von zwei bis acht Lautsprechern wählen und festlegen, welcher Kanal für Low-Frequency Effects (LFE) genutzt werden soll.

Das Surround Configuration-Menü
Das Surround Configuration-Menü

Sobald du deine Surround-Einstellungen gewählt hast, öffne die Effects View. Hier aktivierst du die Surround-Sektion über ihren Power-Button.

Aktivieren der Surround-Sektion
Aktivieren der Surround-Sektion

Sobald du den Surround-Schalter oben links aktivierst, erscheinen im Ring rechts bis zu sechs grüne Punkte, die jeweils für einen Kanal des aktuellen Effekts stehen. Du kannst die Effektkanäle ihre Position auch automatisch verändern lassen: Wenn du den Rotate-Schalter aktivierst, wird ein interner LFO auf den Position-Wert geroutet, sodass sich die Positionsmarker kreisförmig bewegen.

Rotation aktivieren
Rotation aktivieren

Surround-Position, Spread und Geschwindigkeit der Kanäle lassen sich über die jeweiligen Parameter Position, Spread und Seconds steuern.

10. MIDI Polyphonic Expression zuweisen

Um einem Macro in Absynth 6 MIDI Polyphonic Expression (MPE) zuzuweisen, öffne die Assign View und wähle den gewünschten Macro-Regler in der Liste auf der linken Seite des Interfaces aus.

Ein Macro auswählen
Ein Macro auswählen

Im Bereich ‘Map MPE to Macro’ auf der rechten Seite kannst du nun Pressure oder Slide auswählen, um das Macro zu modulieren, sowie einen horizontalen Depth-Fader, der die Intensität des Effekts steuert.

MPE-Mapping auswählen
MPE-Mapping auswählen

Erschaffe noch heute deine eigenen Soundscapes mit Absynth 6

In diesem Tutorial haben wir gezeigt, wie du mit den Oszillatoren, Inserts, Effekten, MSEGs, LFOs, Modulationszuweisungen und Sound Mutation von Absynth 6 eigene Soundscapes von Grund auf gestalten kannst.

Tauche ein in Absynth 6, entdecke diese Features und kreiere noch heute einzigartige Klangwelten.

Absynth 6 entdecken

Passende Produkte