Absynth 6 ist die neueste Version des legendären semimodularen Hybrid-Synthesizers – und er ist noch leistungsfähiger und intuitiver zu bedienen als je zuvor.
Mit seinen unvergleichlichen Möglichkeiten zur Klangformung ist Absynth das ideale Instrument für Sound-Designer*innen, die Grenzen erweitern und einzigartige, sich entwickelnde Soundscapes für Film, Fernsehen oder Games erschaffen wollen.
In diesem Guide zum Sound-Design mit Absynth 6 zeigen wir dir, wie du von Grund auf eine sich entwickelnde Soundscape kreierst, flexible Modulation mit einem MSEG-Tutorial meisterst und die Zuweisung von polyphonem Aftertouch entdeckst.
Springe direkt zu den Abschnitten:
- Was ist eine sich entwickelnde Soundscape?
- Wie funktioniert das Hüllkurvensystem von Absynth?
- Wie lässt sich MPE fürs Sound-Design nutzen?
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Sich entwickelnde Soundscapes gestalten
- Oszillatoren und MSEG-Modulation
- Den Sound mit FX veredeln
- Ein Insert für die Klangfarbenentwicklung hinzufügen
- Den Sound im Zeitverlauf formen
- Einen weiteren Channel hinzufügen
- LFO-Modulation
- Polyphone Aftertouch-Modulation
- Neue Sounds mit Sound Mutation kreieren
- Surround-Sound einrichten
- MIDI Polyphonic Expression zuweisen
Mach direkt mit im neu aufgelegten Absynth 6.
Was ist eine sich entwickelnde Soundscape?
Eine sich entwickelnde Soundscape ist eine sich kontinuierlich verändernde Klangumgebung, in der Texturen, Tonhöhen und Dynamik im Zeitverlauf variieren. Neben Musikgenres wie Ambient kommen solche Klangwelten vor allem in narrativen Medien wie Film, Fernsehen und Games zum Einsatz, um Szenen eine zusätzliche atmosphärische Tiefe zu verleihen.
Hans Zimmers „Bene Gesserit“ aus seinem Soundtrack zu Dune (2021) ist ein paradehaftes Beispiel für ein Musikstück, das eine sich kontinuierlich entwickelnde Sound-Collage nutzt, um eine dramatische Atmosphäre aufzubauen.
Wie funktioniert das Hüllkurvensystem von Absynth?
Das MSEG-System (Multi-Stage Envelope Generator) von Absynth 6 ist ein fortschrittliches Modulationswerkzeug, das eine dynamische, extrem detaillierte Parametersteuerung ermöglicht. MSEGs arbeiten mit Breakpoints, deren Pegel, Timing und Steigung sich jeweils individuell anpassen lassen, um komplexe Modulationsverläufe zu formen.
Diese Hüllkurven lassen sich frei editieren, loopen und zum Host-Tempo deiner DAW synchronisieren. Da MSEGs praktisch jedem Parameter im Synth zugewiesen werden können, sind sie überaus mächtige Werkzeuge, um vielschichtige, detailreiche und organisch wachsende Texturen zu gestalten.
Dank dieser Flexibilität eignen sich Absynths MSEGs perfekt für organische Soundscapes, morphende Pads und filmische Klangfarben, die sich im Zeitverlauf dramatisch verändern.
Wie lässt sich MPE fürs Sound-Design nutzen?
MPE (MIDI Polyphonic Expression) ermöglicht es, dass jede gespielte Note individuelle Ausdrucksdaten wie Pitchbend, Klangfarbe (Timbre) und Druck überträgt. Das eröffnet gegenüber herkömmlichem MIDI völlig neue Kontrollmöglichkeiten: Werden diese Parameter auf Filter, Modulationstiefen oder Synthese-Engines geroutet, können Sound-Designer*innen fließende, lebendige Sounds formen.
Lass uns direkt ins Sound-Design mit Absynth 6 einsteigen und schauen, wie sich ein MPE-Synth-Workflow integrieren lässt.
Sich entwickelnde Soundscapes gestalten
1. Sound Sources und MSEG-Modulation
Absynth ist ein semimodularer Hybrid-Synth. Das bedeutet, dass er verschiedenste Klangerzeugungsverfahren flexibel miteinander kombiniert – und das macht ihn extrem vielseitig. Um das Beste aus dieser mächtigen Architektur herauszuholen, empfiehlt sich ein zielgerichtetes Vorgehen. Fangen wir also damit an, den grundlegenden Charakter unseres Sounds zu definieren.
Das Initial-Patch beim Öffnen von Absynth ist ein einfacher Sinuston, der von der Sound Source in Channel A erzeugt wird.

Dieser durchgehende Dauerton klingt noch nicht sonderlich spannend. Verleihen wir ihm also mit einem Multi-Stage Envelope Generator etwas organische Bewegung. Klicke oben im Display auf den Envelope-Button, um die MSEGs aufzurufen.

Hier siehst du, dass dem Initial-Preset bereits MSEGs für die Lautstärke (Amplitude) der Oszillatoren A, B und C zugewiesen sind. Aktuell sind diese noch nicht sehr dynamisch – sie bleiben bis zur Release-Phase auf dem Maximalwert. Das ähnelt einer klassischen ADSR-Hüllkurve mit hohem Sustain und mittlerem Release.

Du kannst den Verlauf der Amp-Hüllkurve von Oszillator A anpassen, indem du die kreisförmigen Breakpoints verschiebst. Ziehe die Breakpoints der Hüllkurve Oscil A Amp wie abgebildet ganz nach unten – einmal bei etwa 1,5 Sekunden und einmal bei etwa 3 Sekunden.

Mit den LFO-Funktionen des MSEG können wir die Amplitudenmodulation noch abwechslungsreicher gestalten. Unabhängig vom Haupt-LFO-Bereich des Synths ermöglicht der MSEG-LFO eine LFO-typische Bewegung direkt auf der Hüllkurvenform. Klicke auf den Schieberegler neben „LFO“, um ihn zu aktivieren, klicke dann auf die Wellenform und wähle „Fifth“ aus der Liste der verfügbaren Wellenformen aus.

Damit diese Bewegung dauerhaft anhält, versetzen wir die Hüllkurve in den Loop-Modus. Wähle dazu Sustain aus und ändere den Modus auf Loop.

Wird nun eine gehaltene Note gespielt, wiederholt sich die Hüllkurve im Loop.
2. Den Sound mit FX veredeln
Jetzt haben wir bereits eine interessantere Klangbasis, aber der Sound wirkt noch sehr roh – und genau hier kommt das FX-Modul von Absynth ins Spiel.
Kehre über den Button oben in der Benutzeroberfläche zur Patch-Page zurück.

Aktiviere das FX-Modul unten rechts im Interface, indem du auf das runde Symbol auf der linken Seite des Moduls klickst. Der Standardeffekt ist der granulare Aetherizer, der unserem Patch eine traumartige Textur verleiht. Präzise Parameterwerte kannst du festlegen, indem du doppelt auf einen Parameter klickst und den Wert über die Tastatur eingibst. Setze Feedback auf diese Weise auf 60.

Der Aetherizer verleiht unserem Patch einen sphärischen Ambient-Charakter. Doch abgesehen von der geloopten Hüllkurve wirkt das Klangbild noch recht statisch. Nutzen wir ein Insert, um die Klangfarbe im Zeitverlauf zu verändern.
3. Ein Insert für die Klangfarbenentwicklung hinzufügen
Mit einem der Inserts von Absynth können wir die Klangfarbe gezielt weiterentwickeln. Klicke dazu auf das runde Symbol auf der linken Seite des Moduls und anschließend auf den Filternamen, um eine Liste der verfügbaren Filter zu öffnen. Wähle hier Waveshaper aus.

Ändere die Wellenform des Waveshapers im Dropdown-Menü von Sine auf Triangle.

Das verändert die Klangfarbe des Sinus-Oszillators und erzeugt einen angenehm flötenartigen Sound.
Wenn du beim Anspielen des Patches am Phase-Parameter drehst, wirst du merken, wie stark sich das klangliche Gesamtergebnis verändert. Genau diesen Parameter modulieren wir jetzt automatisiert mit einem MSEG.
4. Den Sound im Zeitverlauf formen
Klicke im Envelope-Bereich auf „New Envelope“, um eine Hüllkurve hinzuzufügen.

Es öffnet sich ein Menü, in dem du auswählen kannst, welchen Parameter du der Hüllkurve zuweisen möchtest. Wähle das A1-Modul und den Parameter WS Phase A1 aus. Klicke anschließend auf „Add“, um die Hüllkurve anzulegen.

Ziehe an der Timeline, um die Ansicht der Hüllkurve herauszuzoomen, und übernimm die hier gezeigten Einstellungen, um den Phase-Wert im Zeitverlauf dezent anzuheben.

Damit entwickelt sich unser Sound schon spürbar weiter, ist aber immer noch relativ schlicht. Fügen wir einen weiteren Layer hinzu, um mehr klangliche Komplexität zu erzeugen.
5. Einen weiteren Channel hinzufügen
Aktiviere die Sound Source in Channel B, klicke auf den Oszillatortyp und wähle aus der Liste „FM Oscillator“ aus.

Stelle Pitch auf -12 und den FM-Index auf 6,5 ein.

Füge im Envelope-Bereich eine weitere Hüllkurve hinzu und stelle sie diesmal so ein, dass sie die Lautstärke von Channel B moduliert.

Klicke auf den Hintergrund der Hüllkurve, um sicherzustellen, dass keine Breakpoints ausgewählt sind. Klicke dann auf den Transform-Button und wähle „Generate AR Pulse“.

Es öffnet sich ein Fenster mit Parametern zur automatischen Erstellung einer Hüllkurve. Wir belassen es bei den Standardeinstellungen. Klicke auf „Apply“, um die Hüllkurve zu erzeugen.

Stelle den Modus der Hüllkurve auf „Loop“ – so verleihst du deinem FM-Oszillator eine durchgehende rhythmische Bewegung.

Zurück auf der Patch-Page: Aktiviere den ersten Insert und stelle ihn auf „Freq Shift“ ein.

Stelle die Frequenz auf 800 Hz und das Feedback auf 100 ein.

Stelle den Lautstärke-Fader darunter auf 90 ein, um dieses Element auf den ersten Kanal abzustimmen.

Erstelle nun in der Envelope View eine neue Hüllkurve, um die Tonhöhe des Frequency Shifters langsam über die Zeit zu modulieren.

Mit den LFOs des Synths können wir dem Sound noch mehr Bewegung verleihen. Probieren wir das direkt aus.
6. LFO-Modulation
Klicke oben im Interface auf den LFO-Button, um die LFO View aufzurufen.

Stelle die Wellenform des ersten LFOs auf der linken Seite auf „Saw“ und erhöhe die Zeit auf 15 Sekunden.

Ziehe nun den horizontalen Pitch-Fader auf, um ihn auf die Tonhöhe des Synths anzuwenden. Wir wählen einen Wert von 24,000. Aktiviere den A-Button, damit die Tonhöhenmodulation auf Kanal A angewendet wird.

Das verändert den Sound drastisch und macht ihn weniger tonal, dafür aber umso atmosphärischer.
Eine weitere Möglichkeit zur Sound-Modulation ist polyphoner Aftertouch. Richten wir nun eine polyphone Aftertouch-Modulation ein.
7. Polyphone Aftertouch-Modulation
Nutzen wir den Tastendruck des polyphonen Aftertouchs, um die Lautstärke des zweiten Kanals zu steuern.
Klicke oben im Interface auf den Assign-Button, um die Assign View aufzurufen.

Wähle im Bedienfeld oben links „Aftertouch“ aus und klicke dann im Hauptbereich auf den Button „Polyphonic Aftertouch“.

Um polyphonen Aftertouch einem Parameter zuzuweisen, klicke neben dem Schriftzug „Parameter“ auf den Add-Button.

Wähle aus der Liste „Oscil B Amp“, um den polyphonen Aftertouch-Druck auf die Amplitude von Oszillator B zu routen.

Jetzt kannst du die Lautstärke von Oszillator B über den Tastendruck des polyphonen Aftertouchs steuern – das eröffnet dir eine ganz neue Dimension expressiver Kontrolle.

8. Neue Sounds mit Sound Mutation erstellen
Zu guter Letzt werfen wir einen Blick auf Sound Mutation. Damit lassen sich ganz unkompliziert neue Sounds aus einem bestehenden Patch erzeugen. Die Sound-Mutation-Tools findest du im Browser. Klicke oben im Interface auf den Browser-Button, um die Browser View zu öffnen.

Die Parameter für Sound Mutation befinden sich unten auf dieser Seite und lassen sich über das Pfeilsymbol ausklappen. Hier kannst du bestimmte Elemente sperren, die Mutationsintensität anpassen und einen Blick in die (vielversprechend betitelte) Mutation History werfen.
Um einen Sound zu mutieren, klicke einfach auf den Mutate-Button.

Dank des Zufallsfaktors von Sound Mutation weiß man nie genau, was beim Mutieren herauskommt. Hier ist ein Mutationsbeispiel des Patches, den wir gerade erstellt haben.
Gefällt dir eine Mutation nicht, klickst du einfach auf „Retry“, um beliebig viele alternative Versionen zu generieren. Über die Mutation History kannst du zudem jederzeit zu deinen erstellten Mutationen zurückkehren.
9. Surround-Sound einrichten
Um die Surround-Einstellungen von Absynth 6 zu konfigurieren, klicke oben links im Interface auf den Menü-Button und wähle „Surround Configuration“.

In diesem Menü kannst du verschiedene Surround-Setups von zwei bis acht Lautsprechern wählen und festlegen, welcher Kanal für Low-Frequency Effects (LFE) genutzt werden soll.

Sobald du deine Surround-Einstellungen gewählt hast, öffne die Effects View. Hier aktivierst du die Surround-Sektion über ihren Power-Button.

Sobald du den Surround-Schalter oben links aktivierst, erscheinen im Ring rechts bis zu sechs grüne Punkte, die jeweils für einen Kanal des aktuellen Effekts stehen. Du kannst die Effektkanäle ihre Position auch automatisch verändern lassen: Wenn du den Rotate-Schalter aktivierst, wird ein interner LFO auf den Position-Wert geroutet, sodass sich die Positionsmarker kreisförmig bewegen.

Surround-Position, Spread und Geschwindigkeit der Kanäle lassen sich über die jeweiligen Parameter Position, Spread und Seconds steuern.
10. MIDI Polyphonic Expression zuweisen
Um einem Macro in Absynth 6 MIDI Polyphonic Expression (MPE) zuzuweisen, öffne die Assign View und wähle den gewünschten Macro-Regler in der Liste auf der linken Seite des Interfaces aus.

Im Bereich ‘Map MPE to Macro’ auf der rechten Seite kannst du nun Pressure oder Slide auswählen, um das Macro zu modulieren, sowie einen horizontalen Depth-Fader, der die Intensität des Effekts steuert.

Erschaffe noch heute deine eigenen Soundscapes mit Absynth 6
In diesem Tutorial haben wir gezeigt, wie du mit den Oszillatoren, Inserts, Effekten, MSEGs, LFOs, Modulationszuweisungen und Sound Mutation von Absynth 6 eigene Soundscapes von Grund auf gestalten kannst.
Tauche ein in Absynth 6, entdecke diese Features und kreiere noch heute einzigartige Klangwelten.