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Kontakt und maßgeschneidertes Sound-Design in James Everinghams Score zu Chief of War

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James Everingham feature

Die Apple TV+-Serie Chief of War bringt die Geschichte Hawaiʻis auf die weltweite Bühne – miterdacht von Jason Momoa und vertont von Hans Zimmer gemeinsam mit James Everingham. Der Soundtrack verbindet orchestrale Wucht mit indigenen hawaiianischen Traditionen und fängt sowohl die Intensität als auch die Menschlichkeit dieser Geschichte ein.

Für Everingham ging das Projekt weit über das bloße Komponieren hinaus. Neben kommerziellen Libraries erstellte er eigene Kontakt-Instrumente für Aufnahmen von hawaiianischer Percussion, Vocals und Holzbläsern – und stellte so sicher, dass all diese Elemente absolut authentisch und präzise zum Einsatz kamen.

Wir haben mit James über die Rolle von Kontakt in seinem Scoring-Workflow gesprochen, darüber, wie eigene Libraries den Sound von Chief of War geprägt haben, und welche Erfahrungen er bei der Verbindung traditioneller Performances mit moderner Produktion gesammelt hat.

Direkt zu den Abschnitten:

Verwalte detailgetreu gesampelte Instrumente und erstelle deine eigenen Libraries mit Kontakt:

Kontakt entdecken

Du bist nicht nur Komponist, sondern entwickelst auch Kontakt-Libraries. Wie kam es dazu, dass du eigene Tools gebaut hast?

James Everingham Media Library

Ich habe angefangen, Musik für Film und Fernsehen zu schreiben, weil mich Technologie genauso fasziniert hat wie Film und Musik. Technologie ist ein wesentlicher Bestandteil eines modernen Scoring-Workflows. Und wie viele Komponist*innen will ich mich immer wieder herausfordern, Musik zu schreiben, die sich frisch und abenteuerlich anfühlt. Als Film- und TV-Komponist besteht deine Aufgabe darin, Musik für das Worldbuilding zu nutzen. Die Musik trägt dazu genauso viel bei wie das Szenenbild, die Kostüme und das Drehbuch.

In diesem Sinne soll die Musik einzigartig und genau auf den jeweiligen Film oder die Serie zugeschnitten sein. Wenn ich meinen Job richtig gemacht habe, sehen die Leute beim Hören des Soundtracks von Chief of War Kaʻiana und Kamehameha im Hawaiʻi des 18. Jahrhunderts vor sich. Die Musik ist untrennbar mit dieser Geschichte verknüpft.

Eigene Sounds zu erschaffen und einzusetzen war schon immer ein wichtiger Teil davon. Es fühlt sich wie die logische Schnittstelle all der Dinge an, die mich ursprünglich an diesem Beruf begeistert haben.

Profi-Tipp von James Everingham: Wenn du einen neuen Sound designst, versuche erst mit Form oder VocalSynth die Formanten anzupassen, bevor du zu einem Equalizer greifst. Oft reicht schon eine minimale Formanten-Änderung völlig aus, um den Sound ganz anders im Mix zu platzieren.

Wie fließen die von dir entwickelten Libraries in deine Scoring-Arbeit für Chief of War ein?

James Everingham

Neuen Komponist*innen, die von der Masse an Sample-Libraries überwältigt sind, rate ich oft: Konzentriere dich darauf, erst einmal wenige Libraries in- und auswendig kennenzulernen.

Es ist großartig, unzählige Möglichkeiten zur Hand zu haben, aber worauf es wirklich ankommt, ist zu wissen, wie man deren volles Potenzial ausschöpft – und auch, wo ihre Grenzen liegen. Eigene Libraries zu bauen ist dann natürlich die Krönung: Du hast jeden Schritt der Entstehung selbst miterlebt und hast am Ende ein Toolkit, das du besser kennst als jede*r andere.

Die Arbeit an Chief of War war extrem rasant und intensiv. In jedem Moment genau zu wissen, wonach man greifen muss, war ein riesiger Vorteil, um alles rechtzeitig zu komponieren, zu produzieren und abzuliefern.

Profi-Tipp von James Everingham: Lass die menschliche Seite deiner Musiker*innen und ihrer Performances zu. Die kleinen Makel und Abweichungen von deinem Demo führen oft zu ganz besonderen Ergebnissen.

Wenn du orchestrale, elektronische und traditionelle Aufnahmen miteinander kombinierst: Wie hilft dir Kontakt dabei, die Übersicht und Konsistenz zu behalten?

James Everingham Kontakt

Kontakt ist das Rückgrat meines Workflows – und war es schon immer. Ich weiß noch, wie ich als Teenager darauf gespart habe. Ich hatte ein Foto von Komplete ausgedruckt und auf ein Sparschwein geklebt, bis ich genug Kleingeld und Taschengeld zusammenhatte.

Der überwiegende Teil der von mir genutzten Sample-Libraries läuft reibungslos und zuverlässig in Kontakt – von Orchester-Samples über bestimmte Sound-Design- und Synth-Elemente bis hin zu hawaiianischen Aufnahmen. Inzwischen bin ich mit den Backend-Parametern bestens vertraut, und so viele Libraries über denselben Browser im Zugriff zu haben, ist ein riesiger Vorteil.

James Everingham Supercharger

Außerdem arbeite ich gerne mit einem schlanken Cubase-Template, damit wir schnell zwischen den Cues wechseln können. Dafür sind die Komplete-Effekte ebenfalls großartig. Supercharger und Replika sind zwei meiner Standard-Plug-ins, die in wirklich jeder Session auftauchen. Sie verbrauchen kaum Rechenleistung und ermöglichen es mir, schnell grobe Pinselstriche zu setzen.

Profi-Tipp von James Everingham: Lass dich nicht von all den Produkten da draußen und den vielen Ratschlägen im Internet verrückt machen. Meiner Meinung nach lernt man – besonders beim Komponieren und Produzieren – am besten durchs Machen. Finde heraus und vertraue darauf, was für dich gut klingt, selbst wenn du einfache, kostenlose Stock-Plug-ins nutzt. Wenn es funktioniert, funktioniert es.

Wie bist du angesichts der kulturellen hawaiianischen Elemente in Chief of War an das Sampling und Processing herangegangen, um deren Authentizität zu bewahren?

James Everingham Studio

Wir haben die unterschiedlichsten Instrumente und Performances sowohl auf Hawaiʻi als auch in Los Angeles aufgenommen, aber das Herzstück des Scores waren die Vokalgruppen, die wir auf Oʻahu aufgenommen haben.

Wir sind sehr behutsam mit diesen Aufnahmen umgegangen, da Kaumakaiwa Kanaka’ole die Texte in hawaiianischer Sprache verfasst hatte. So etwas kann man nicht einfach beliebig platzieren – sie tragen eine echte Bedeutung und ein enormes Gewicht für die jeweiligen Szenen, für die sie bestimmt sind.

Allerdings haben wir auch atmosphärischere Gesangs-Performances wie Atemzüge, Schreie, leises Summen und gutturale Laute aufgenommen. Die Sänger*innen hatten Lust, dabei experimentell vorzugehen, was großartig war. Bei der Mikrofonierung haben wir es vielleicht etwas übertrieben, aber das gab uns später enorme Flexibilität bei der Weiterverarbeitung.

James Everingham Transient Master

Wir haben sie gestretcht, gestimmt, zerschnitten und im gesamten Score verwendet. Außerdem hatten wir viele Nahmikrofon-Aufnahmen von Percussion. Wir arbeiteten mit erfahrenen einheimischen Musiker*innen zusammen, aber die Aufnahmeumgebungen waren nicht immer ideal. Transient Master war eine denkbar unkomplizierte Hilfe, um diese Aufnahmen neu zu formen und abzugleichen, sodass sie sich nahtlos mit dem Orchester und modernen Texturen verbanden.

Profi-Tipp von James Everingham: Es ist einfacher, Reverb nachträglich hinzuzufügen, als ihn wieder wegzunehmen. Setze ihn sparsam ein. Staubtrockene Sounds können genauso kraftvoll sein wie eine opulente Räumlichkeit.

Hast du bemerkt, dass deine Libraries die Art und Weise verändert haben, wie du reale Instrumente wahrnimmst?

Absolut. Sample-Libraries sind das, was es mir überhaupt erst ermöglicht, meine eigene Musik zu verwirklichen – ich bin kein klassisch ausgebildeter Musiker und kann weder Noten lesen noch schreiben, ohne die Technologie wäre ich also aufgeschmissen.

Einerseits ist die grenzenlose Flexibilität eines Orchesters auf Knopfdruck eine unglaubliche Ressource und Spielwiese. Andererseits habe ich mich schon dabei ertappt, Musik so zu schreiben, dass sie besser zu Sample-Libraries passt als zu echten Musiker*innen. Ich lerne immer noch dazu, welche Spielweisen am besten im Rechner bleiben, welche man besser live aufnimmt und wo die Schnittmengen liegen.

Wenn du auf die Arbeit an Chief of War zurückblickst: Wie wichtig war ein eigenes Toolkit im Vergleich dazu, sich rein auf kommerzielle Libraries zu verlassen?

Es war essenziell für das, was wir mit der Serie erreichen wollten. Es ist wirklich das erste Mal, dass Hawaiʻi auf einer weltweiten Plattform wie Apple TV+ repräsentiert wird. Für viele Menschen ist es das erste Mal überhaupt, dass sie ʻōlelo Hawaiʻi (die hawaiianische Sprache) hören – geschweige denn auf dem Bildschirm oder in einem Soundtrack.

Natürlich spielte der Gesang eine riesige Rolle, aber wir hatten auch hawaiianische Holzblasinstrumente und eine enorme Vielfalt an Percussion-Aufnahmen, mit denen wir arbeiten konnten. Viele dieser Instrumente wurden noch nie zuvor gesampelt. Ein eigenes Toolkit zu entwickeln war also die einzige Möglichkeit, sie flexibel in den Score einzubinden.

Profi-Tipp von James Everingham: Sieh dir mehr als nur die technischen Aspekte von Dynamikprozessoren an. Einfache, minimalistische Vintage-Kompressoren wie der VC 2A bieten eine ganz andere musikalische Perspektive als modernere, chirurgisch präzise Tools wie Solid Dynamics oder Solid Bus Comp. Wähle deine Kompressoren genauso sorgfältig aus wie deine Instrumente.

Fazit

James Everinghams Arbeit an Chief of War beweist, wie perfekt sich individuelle Tools und kommerzielle Libraries ergänzen können. Kontakt meisterte orchestrale und Sound-Design-Elemente und fungierte gleichzeitig als Host für eigens erstellte hawaiianische Instrumente und Vocals.

Der Workflow vereinte höchste Effizienz mit Respekt vor kultureller Authentizität. Indem er Libraries von Grund auf selbst baute und mit Komplete-Effekten wie Supercharger und Replika kombinierte, schuf Everingham einen Score, der den hohen Ambitionen der Serie gerecht wird und gleichzeitig die Integrität hawaiianischer Musiktraditionen bewahrt.

Chief of War zeigt eindrucksvoll, wie Komponist*innen Kontakt und ihr eigenes Sound-Design nutzen können, um Musik zu erschaffen, die unverwechselbar, kraftvoll und tief mit der erzählten Geschichte verbunden ist.

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