Die frühen 80er-Jahre erwiesen sich als revolutionäre Ära für Science-Fiction und futuristische Klangwelten. Hollywood-Blockbuster wie „Blade Runner“ und „Tron“ erkundeten die ambivalente Beziehung der Menschheit zum „Hyperrealen“ und Synthetischen, während Audio-Pionier*innen sich mit Begeisterung einer kybernetischen Klangzukunft verschrieben. In den 80ern brachte Roger Linn zudem seine bahnbrechende Drum-Machine heraus, die LinnDrum, und entfachte damit eine neue Body-Music-Revolution – die mechanisierte Geburtsstunde samplebasierter Genres von HipHop bis EBM.
Synthetische Rhythmusboxen beherrschten die Szene; selbst Motown-Größen wie Marvin Gaye machten die TR-808 in Klassikern wie „Sexual Healing“ populär. Drum-Machines eroberten den Markt im Sturm, während sich weltweit unzählige obskure – aber nicht minder faszinierende – Drum-Synths verkauften und einen aufregenden Wandel in der Popmusik auslösten.
Als Archiv für Emulationen klassischer Drum-Synths ist die REAKTOR User Library eine wahre Fundgrube – von fiktiven Neuinterpretationen verschollener Relikte bis hin zu neuen REAKTOR Blocks-Modulen, mit denen sich im Vaporwave-Zeitalter völlig neue perkussive Realitäten erschaffen lassen. Hier sind einige unserer handverlesenen Favoriten.
VON SEQUENZIERTER DYSTOPIE BIS ZUR MOTOR-CITY-HOMMAGE
Aerofuse

Aerofuse ist eine leicht modifizierte Version der ursprünglichen „virtuell-analogen“ Drum-Machine von REAKTOR. Dieser intuitiv bedienbare, sechsstimmig sequenzierte Drum-Synth bietet eine erstaunliche Vielfalt an klanglichen Optionen, darunter Kombinationen aus virtuell-analogen, FM- und Noise-Oszillatoren. Mehr als ein Jahrzehnt nach seiner ersten Version ist Aerofuse immer noch unübertroffen. Für alle, die sich für „klassische“ subtraktive Synthese und Step-Sequencing interessieren, ist es ein wunderbar flexibles Instrument und ein fantastisches Lerntool. Die Presets reichen von feinen Ticker-Box-Patterns bis hin zu federnden Bass-Wubbs und Subs.
Techno Drum Machine

Als Erweiterung des „analogen Drum-Synth“-Konzepts ist die Techno Drum Machine ein intuitives Werkzeug zur Erkundung eines echten Klassikers. Vertraute TR-„X0X“-Sounds lassen sich hier nach Belieben anpassen, und Optionen für Ringmodulation, Samplerate und Filterung ermöglichen radikale Eingriffe in klassische Oszillatoren. Klanglich vielleicht eher „CR-78“ als „909“, sorgt die durchdachte Auswahl praxistauglicher Snapshots für stundenlangen Spielspaß – besonders, wenn man sie durch etwas Parallelkompression oder Overdrive jagt. Auf einen externen Controller gemappt, kann die Techno Drum Machine problemlos das Herzstück eines kompletten Live-Sets bilden.
POSTINDUSTRIELLE RIDDIMS
Sokolov CompuRhythm

Teils sowjetisches Geheimforschungsprojekt, teils 80er-Videospiel: SOKOLOV CompuRythm ist ein liebevoll gestaltetes Kunstwerk. Bestückt mit Sounds eines Commodore 64, ist dieser einzigartige Drum-Synth von den futuristischen Experimenten des Ostblocks im Kalten Krieg inspiriert. Angetrieben von vier unabhängig sequenzierten Parts lassen sich die rauen 8-Bit-Sounds zu herrlichem Chiptune-Chaos arrangieren. Großartige Licks, Knackser, Brummen und Schmutz scheinen förmlich in den Code „eingelötet“ zu sein. Das markante monochrome Interface beeindruckt sofort, während eine riesige Snapshot-Liste (mit Namen wie „Radioactiv“) einer geschichtsträchtigen Krautrock-Tradition alle Ehre macht.
The Hyroglyphicus Drum Synth

Ganz ähnlich versprüht auch The Hyroglyphicus Drum Synth unverfälschten EBM- und Industrial-Charme. Unzählige Vintage-Beatboxen wurden hier gesampelt, während eine Synth-Engine herrlich pulsierenden, perkussiven Druck erzeugt. Ausgestattet mit vielen Snapshots präsentiert sich das Instrument als handverlesener Bunker-Funk und echte Industrial-Techno-Goldgrube.
FUTURE PRIMITIVES
Niji Drums and Block Drum Pack

Aufstrebende Beatmaker schätzen die Power von Reaktor Blocks ganz besonders, wenn es darum geht, die Möglichkeiten traditioneller Drum-Synths zu erweitern. Du liebst die faszinierende Nichtlinearität des euklidischen Sequencings? Oder darf es eine Extraportion driftender Oszillatoren sein – vielleicht garniert mit knisterndem Netzbrummen direkt aus dem Code?
Niji Drums und das Block Drum Pack bieten beide einen perfekten Einstieg in elementare perkussive Bausteine und eignen sich ideal für die modulare Integration. Inspiriert vom Sound klassischer 80er-Jahre-Drum-Machines lassen sie sich direkt in noch extravagantere Ensembles wie Niji Solutions, patchen, das elegante Mixing- und Sequencing-Power mitbringt.
Humdrum and Euclidean Drum Grot

Humdrum widmet sich einer feinen Auswahl von Michael Hetricks besten perkussiven EuroReakt-Blocks aus einer Sammlung von über 90 maßgeschneiderten Beiträgen zur Reaktor User Library. Inspiriert von moderner modularer Synthese stellen Hetricks Blocks das Können des Autors als DSP-Koryphäe und Dozent par excellence eindrucksvoll unter Beweis.

Euclidean Drum Grot nutzt den fantastischen Euclidean Rotator von Martin Wood und bietet einen Patch für herrlich chaotische Pattern. Selbst wenn euklidisches Sequencing zunächst verwirrend wirkt, begeistert dieses Ensemble durch seine faszinierend „musikalische“ Chaos-Erzeugung, während Knistern und Bit-Crushing-Blocks sofort für Vintage-Charme sorgen.
8 WAYS TO JACK

Gebührender Respekt gebührt der beeindruckenden Armee perkussiver Ensembles, die von Reaktor-Library-Legende Ba programmiert wurden. Vom sachlich-beigen Design der Frontplatten sollte man sich keineswegs täuschen lassen – diese über acht Ensembles treten rein wie ein Bass im Berghain-Metaverse. Bas zurückhaltend benannte TR-608 stillt jedes Verlangen nach einem wilden Crossover klassischer Beatboxen, während God’s Beatbox und Dirty Groovy echte kybernetische Klassiker sind. Die tief rollenden Pattern-Presets von Letzterem erinnern an die stärksten Blip-Hop-Momente von I:Cube oder Funkstörung.