Als tanzbare Weiterentwicklung von Soul, Funk und R&B erlebte Disco in den 1970er-Jahren einen riesigen Hype – dank mitreißender Beats, energiegeladener, oft synkopierter Basslines und ausdrucksstarker, euphorischer Musik. Zwar ließ die Popularität von Disco im Mainstream der späten 1970er- und 1980er-Jahre nach, doch der Spirit lebt in Genres wie House und HipHop weiter, die bis heute Samples aus der Disco-Ära nutzen oder stilistisch von ihr inspiriert sind.
In diesem Guide zeigen wir dir, wie du einen klassischen Disco-Track produzierst – inklusive funkiger Gitarren-Licks, pumpender Bassline und gefühlvoller Chords.
Direkt zu den Abschnitten:
- Einstieg mit Samples
- Einen Drum-Beat bauen
- Keys hinzufügen
- Disco-Bass
- Einen Pre-Chorus erstellen
- Mehr Abwechslung im Chorus
- Ab in die Bridge
- Das Arrangement
- Das Master
Um diesem Tutorial zu folgen, brauchst du Kontakt 8 oder den kostenlosen Kontakt 8 Player mit der Disco & Funk Expansion sowie die Instrumente Studio Drummer, Electric Keys – Phoenix, Scarbee Rickenbacker Bass und Soul Sessions, außerdem Ozone Elements und Raum. Sie alle sind in Komplete 15 Select Band Edition, Komplete 15 Standard, Komplete 15 Ultimate und Komplete 15 Collector’s Edition enthalten. Raum ist zudem kostenlos als Teil von Komplete Start erhältlich.
Wie ist ein Disco-Song aufgebaut?
Disco-Songs folgen in der Regel dem klassischen Strophe-Refrain-Schema (Verse-Chorus). Oft beginnen sie mit einem Intro, bevor der Groove einsetzt, gefolgt von Strophen und einem eingängigen Chorus. Später im Song sorgen eine Bridge oder ein instrumentaler Breakdown für Abwechslung. Wiederkehrende Hooks und Grooves halten die Energie durchgehend hoch, und meist endet ein Disco-Song mit einem tanzbaren, ausgedehnten Outro.
Was macht einen Song zum Disco-Track?
Typisch für einen Disco-Song sind ein treibender Four-on-the-Floor-Beat, synkopierte Bässe und der Einsatz von Streichern, Bläsern und E-Pianos. Das Tempo ist tanzbar und beschwingt, getragen von einem repetitiven, groove-betonten Rhythmus. Disco besticht durch üppige Orchestrierungen, eingängige Melodien und soulige Vocals.
Einen Disco-Song schreiben: So geht's
1. Einstieg mit Samples
Verschaffen wir uns einen Vorsprung und starten mit einem Streicher-Loop aus der Disco & Funk Leap Expansion. Erstelle eine neue MIDI-Spur, lade Kontakt und wähle die Leap-Kategorie aus. Klicke auf die Disco & Funk Expansion und öffne das Preset Leapadelic Kit per Doppelklick in der Liste auf der rechten Seite.

Dieses Kit bietet einen Streicher-Loop, der über C4 getriggert wird und als Inspiration für unseren Track dient. Erstelle einen 8-taktigen MIDI-Clip und programmiere eine Note auf C4 über die vollen acht Takte mit einem Velocity-Wert von 100. Sofern nicht anders angegeben, nutzen wir in diesem Projekt durchgehend eine Velocity von 100.

Kontakt passt den Loop automatisch an das Projekttempo an. Schrauben wir das Projekttempo ein wenig herunter, damit es näher am Originaltempo des Loops (100 BPM) liegt. Stelle das Tempo deines Projekts auf 115 BPM ein.

Neben Streichern darf in unserem Track ein funkiges Disco-Gitarren-Lick nicht fehlen. Lege eine weitere MIDI-Spur an, lade erneut Kontakt und wähle wieder das Leapadelic Kit aus der Disco & Soul Leap Expansion. Erstelle einen 8-taktigen Clip und programmiere zwei F3-Noten über jeweils vier Takte. Das triggert genau das passende Funk-Gitarren-Lick.

Damit steht das musikalische Fundament für unseren Track. Als Nächstes komponieren wir eigene Parts dazu.
2. Einen Drum-Beat bauen
Füge Kontakt auf einer neuen MIDI-Spur hinzu, wähle diesmal das Instrument Studio Drummer und öffne das Preset Session Funk per Doppelklick.

Mit diesem Kit bauen wir einen treibenden Disco-Beat. Erstelle einen 8-taktigen Clip und setze im ersten Takt auf jeden Beat eine Kick-Drum auf C1.

Füge nun auf dem zweiten und vierten Beat jeweils eine Snare auf D#1 hinzu.

Setze als Nächstes geschlossene Hi-Hats auf G#1 auf jeden Beat und offene Hi-Hats auf F#1 jeweils dazwischen.

Für das i-Tüpfelchen setzt du kurz nach der letzten Sechzehntelnote eine Snare auf D1 – das sorgt für den typisch funkigen Swing.

Dupliziere das Drum-Pattern für den Rest des 8-taktigen Clips.

3. Keys hinzufügen
Aktuell klingt unser Song schon super, aber der Streicher-Loop ist auf Dauer etwas zu dominant. Schalten wir ihn kurz stumm und arbeiten an einem Groove, der trägt.

Lege eine weitere MIDI-Spur an, wähle in Kontakt Electric Keys – Phoenix aus und öffne per Doppelklick das Standard-Instrument Electric Keys Phoenix.

Damit kreieren wir eine reduziertere Version der Streicher-Akkorde. Wir lassen die Quinte weg und fügen eine zusätzliche Bassnote hinzu – so entsteht ein druckvoller, aufgeräumter Sound.
Kopiere den Part, den wir hier eingespielt haben: Er spielt e-Moll, D-Dur mit einem B im Bass, C-Dur mit einem A im Bass, gefolgt von D und D# in Oktaven. Für einen weicheren Klang setzen wir die Velocity hier auf 66.

Dupliziere das Pattern, sodass es über acht Takte läuft.

4. Disco-Bass
Um dem Track die richtige Energie zu verpassen, setzen wir auf eine klassische, oktavierende Disco-Bassline.
Erstelle eine neue MIDI-Spur, lade Kontakt, wähle Scarbee Rickenbacker Bass aus und öffne per Doppelklick das Preset On The Road PM.

Pegle diese Spur auf -6,4 dB ein, damit sie sich optimal mit den anderen Elementen mischt.

Kopiere diese Bassline mit den Noten E, B und A: Die tiefen Noten liegen jeweils auf dem Beat, die um eine Oktave nach oben versetzten Noten dazwischen. Als Velocity-Wert wählen wir hier 127.

Dupliziere diesen Part, sodass er über alle acht Takte läuft.

Jetzt haben wir eine musikalische Idee, die wir als Strophe (Verse) nutzen können. Fügen wir ein weiteres Element hinzu, um daraus einen Pre-Chorus zu bauen.
5. Einen Pre-Chorus erstellen
Dupliziere die Strophe auf insgesamt 16 Takte – Takt 1–9 als Chorus und 9–16 als Pre-Chorus.

Füge eine weitere Kontakt-Spur hinzu, wähle diesmal die Soul Sessions Expansion und das Preset Candy Slaps (gepickte Gitarre).

Stelle die Spur auf -7,4 dB ein.

Kopiere den hier gezeigten MIDI-Part, der den Bassnoten der E-Piano-Akkorde folgt.

Dupliziere diesen Part auf acht Takte.

Lass uns diesen Part mit etwas Reverb nach vorne bringen. Lade Raum auf den Track und wähle das Preset „Factory Presets > Large > Orbital“. Stelle den Mix auf 25 % ein.

Nach Strophe und Pre-Chorus fehlt uns jetzt noch ein Chorus. Kümmern wir uns als Nächstes darum.
6. Frischer Wind für den Chorus
Im Chorus wollen wir die Energie des Tracks verändern, um es spannend zu halten. Das erreichen wir, indem wir ein weiteres Instrument hinzufügen und die bestehenden Parts variieren.
Dupliziere zuerst den Pre-Chorus, sodass wir einen Chorus für die Takte 17–25 haben.

Bearbeite den Gitarren-Loop so, dass er sich in jedem Takt wiederholt.

Ändere den Keys-Part so, dass er e-Moll, G-Dur und A-Dur spielt – wieder ohne Quinten. Diese zweitaktige Sequenz wiederholt sich über die gesamten acht Takte.

Lass die Bassgitarre den Grundtönen der Keys folgen.

Passe die gezupfte Gitarre an, sodass sie E3, D3 und C#3 spielt.

Füge nun einen weiteren Kontakt-Track hinzu und lade dieses Mal Soul Sessions sowie das Preset „Brass Stabs“.

Kopiere das Pattern, das wir hier verwendet haben: Es spielt A3, G3, F#3, D3, E3, danach A3, G3, F#3 und wiederholt sich in den zweiten vier Takten.

Lade Raum auf den Track und wähle das Preset „Factory Presets > Large > Orchestral Hall“. Stelle den Mix auf 30 % ein.

Dieses zusätzliche Instrument verleiht dem Chorus noch mehr Strahlkraft. Jetzt fehlt uns nur noch ein einziger Part, bevor wir unseren Track arrangieren: eine Bridge.
7. Ab zur Bridge
Dupliziere die Drum- und Bass-Parts, um eine Bridge in den Takten 25–33 anzulegen.

Bearbeite die Bassline so, dass sie drei Takte lang E spielt, gefolgt von D und D# – das sorgt für echtes Disco-Bridge-Feeling.

Jetzt haben wir alle Abschnitte unseres Songs zusammen und können uns an das Arrangement machen.
8. Das Arrangement
Übernimm das Arrangement, das wir hier verwendet haben. Beachte, dass der Strings-Track jetzt nicht mehr stummgeschaltet ist: Die Streicher spielen bereits im Intro, während der Gitarren-Loop in Takt 5 einsetzt. Der Song folgt dann einer klassischen Struktur aus Strophe, Pre-Chorus und Chorus, mit einer Bridge in Takt 57 und einem abschließenden, 16-taktigen Chorus.

Jetzt fehlt nur noch ein schnelles Mastering – und schon sind wir fertig!
9. Das Mastering
Mit Ozone Elements können wir unseren Track ganz automatisch mastern. Lade Ozone Elements auf den Master-Track deines Projekts – das Plug-in fordert dich nun dazu auf, den Track an der lautesten Stelle abzuspielen. Klicke auf „Start Listening“ und spiele das Projekt ab dem ersten Chorus in Takt 25 ab, an dem die meisten Parts gleichzeitig zu hören sind. Beachte: Sobald Ozone Elements die Analyse abgeschlossen hat, wird die Lautstärke spürbar angehoben.

Ozone Elements erstellt nun eine maßgeschneiderte Mastering-Kette. Bei Bedarf kannst du das musikalische Genre anpassen, auf das die Mastering-Kette abgestimmt ist. Wähle für unser Disco-Projekt „RnB/Soul“ aus.

Produziere Disco-Tracks mit der Komplete 15 Select Band Edition
In diesem Tutorial hast du gesehen, wie du einen Disco-Track mit der Disco & Funk-Expansion der Komplete 15 Select Band Edition, Studio Drummer, Electric Keys – Phoenix, Scarbee Rickenbacker Bass, Soul Sessions, Ozone Elements und Raum produzieren kannst.
Wenn du noch tiefer einsteigen willst, sieh dir unsere Guides an: Future-Funk produzieren und HipHop-Produktion: So produzierst du einen gefÿhlvollen, ausdrucksstarken HipHop-Track.