Progressive House entstand nach der ersten Welle der House-Musik. Die Wurzeln des Genres reichen zurück in die britische Club- und Rave-Szene der frühen 1990er-Jahre. Progressive House zeichnet sich durch graduelle Build-ups, komplexe Melodien und atmosphärische Klanglandschaften aus.
In diesem Tutorial erfährst du, wie Progressive House klingt und welche Elemente einen Progressive-House-Track definieren. Wir zeigen dir Schritt für Schritt, wie du mit Instrumenten, Drums und Tools aus Komplete einen eigenen Track produzierst – inklusive essenzieller Tipps und Tricks für Progressive House, der genau so klingt:
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Was ist Progressive-House-Musik?
Progressive House ist ein Genre der elektronischen Musik, das in den 1990er-Jahren in Großbritannien entstand. Das Magazin Mixmag beschrieb es 1992 als „eine neue Spielart von hartem, aber melodischem, treibendem, aber durchdachtem, euphorischem und tranceartigem britischem House“. Bald traten auch Progressive-House-Produzent*innen aus anderen Ländern wie den USA, Deutschland und Belgien auf den Plan.
Progressive House ist ein weit gefasster Begriff, der viele Bedeutungen und Styles umfasst, da sich die Definition des Sounds im Laufe der Zeit verändert hat. Progressive-House-Tracks reichen von Big-Room-House bis hin zu sanfteren, atmosphärischen Produktionen. Der Begriff kann mit Acts wie Simon Doty, Joris Voorn, Kaskade, Steve Angello, Avicii oder deadmau5 assoziiert werden, während Fans der ersten Stunde vor allem Sasha & Digweed sowie Deep Dish als wegweisende Pioniere des Genres nennen.
Progressive House ist ein Dance-Music-Stil, der sich durch das Hinzufügen und Wegnehmen von Layern entfaltet und mit dem Arrangement stetig weiterentwickelt. Das Genre legt großen Wert auf Melodien, Harmonien und Percussion. Durch Effekte wie Delay und Reverb entsteht oft viel räumliche Tiefe. Die Geburtsstunde des Progressive House schlug 1990 mit dem Release von Leftfields „Not Forgotten“ – einem wegweisenden Underground-Track, der das Genre maßgeblich begründete.
Wenig später betraten eine Reihe von Labels wie Guerilla, Hooj Choons oder Soma Records sowie Acts wie Underworld, William Orbit, React 2 Rhythm und Spooky die Bildfläche. In der nächsten Phase des Progressive House folgten Künstler wie Max Graham, Sasha, John Digweed, Groove Armada und Robert Miles. Zu den wichtigsten Labels zählten Bedrock, Renaissance und Perfecto.
Hernan Cattaneo prägte das Genre maßgeblich mit, während Labels wie Sudbeat, Skint, Flashover und Anjunabeats die Weiterentwicklung vorantrieben. 2007 setzte deadmau5 mit der auf Play Records erschienenen Single „Faxing Berlin“ völlig neue Maßstäbe für die Produktionstechniken im Progressive House.
Mitte der 2000er-Jahre wurden Produzenten wie David Guetta, die Swedish House Mafia, Sebastian Ingrosso, Axwell, Hardwell, Avicii oder Eric Prydz noch dem Progressive House zugeordnet – später etablierte sich für diesen Sound der Begriff Big-Room-House. Um zwischen Underground und mainstreamigen Klängen zu unterscheiden, spalteten sich Progressive House und Big-Room-House in zwei Genres auf. Parallel dazu entstand ein düsterer Progressive-Sound, angeführt von Produzenten wie Satoshi Tomiie, Quivver, Danny Howells, Lee Burridge, Desyn Masiello, Omid 16b und Steve Lawler.
Heute umfasst der Begriff Progressive House eine enorme klangliche Bandbreite, einschließlich der Mainstage-EDM-Variante. Wer auf der Suche nach treibenden, euphorischen Sounds ist, sollte unbedingt bei Acts wie Simon Doty, Joris Voorn, Jerome Isma-Ae, CamelPhat, Yotto, Pryda und Cristoph reinhören.
So produzierst du einen Progressive-House-Track
1. Drums programmieren
Progressive House steht im 4/4-Takt – das bedeutet vier Beats pro Takt. Stelle zunächst das Tempo in deiner DAW auf 126 bis 128 BPM (oder in diesen Bereich) ein.
Erstelle eine MIDI-Spur und lade Battery 4 aus Komplete. Wähle ein Kit, das zu Progressive House passt – zum Beispiel das Going Deeper-Kit. Erstelle einen leeren, eintaktigen MIDI-Clip und programmiere eine Kick-Drum auf jeden Beat: 1.1, 1.2, 1.3 und 1.4.
Eine weitere Option für druckvolle Kick-Drums ist TRK01 – ein Komplete-Instrument, mit dem du im Handumdrehen Kicks erstellen kannst.


Als Nächstes kommt die Hi-Hat. Erstelle eine neue MIDI-Spur und füge Battery 4 hinzu. Du kannst entweder dasselbe Drum-Kit wie für deine Kick-Drum nutzen oder ein anderes Kit für die restliche Percussion wählen. Erstelle einen leeren, viertaktigen MIDI-Clip und programmiere die Closed Hi-Hat auf die Zählzeiten 1.1.3, 1.2.3, 1.3.3 und 1.4.3.
Für mehr Dynamik und Bewegung passt du die Velocity-Werte der Hi-Hats an, sodass jeder Anschlag leicht variiert. Als Orientierung für die Closed Hi-Hats bieten sich Werte wie 89, 100, 90 und 93 an.


Für die restliche Percussion empfehlen sich separate MIDI-Spuren. So kannst du jedes Element individuell bearbeiten und abmischen. Die Open Hi-Hats kannst du im selben Rhythmus wie die Closed Hi-Hats programmieren.

Für den Shaker erstellst du einen eintaktigen MIDI-Clip, lädst Battery 4 und programmierst den Shaker auf die Beats 1, 1.1.2, 1.1.3 und 1.1.4.
Verändere die Velocity jeder MIDI-Note, um dem Rhythmus mehr Lebendigkeit zu verleihen. Probiere zum Beispiel die Werte 68 für die erste Note, 94 für die zweite, 85 für die dritte und 97 für die vierte.
Kopiere die MIDI-Noten samt Velocity-Variationen über alle Beats im MIDI-Clip hinweg. Noch mehr Bewegung erzielst du, indem du einen Kompressor hinzufügst und den Shaker per Sidechaining mit der Kick-Drum triggerst.

Als Nächstes folgt der Clap. Erstelle einen eintaktigen MIDI-Clip, lade Battery 4 und wähle ein Kit für den Clap aus – das 909 Multiple-Kit liefert klassische Clap-Sounds. Programmiere den Clap auf die Zählzeiten 1.2 und 1.4. Mit einem EQ samt Hochpassfilter bei 140 Hz kannst du störende Tiefen im Clap absenken.


Drum-Bus-Bearbeitung
Fügen wir nun alle Percussion-Elemente zusammen. Wähle Hi-Hats, Shaker und Clap aus und fasse deine Drum-Spuren in einer Gruppe zusammen. In Ableton wählst du dafür die Spuren aus, klickst mit der rechten Maustaste darauf und wählst „Spuren gruppieren“ (Group Tracks).
Lass die Kick-Drum außerhalb der Drum-Gruppe – der Drum-Bus-Kompressor könnte die Kick sonst auf ungewollte Weise beeinflussen.
Füge den Solid Bus Comp zur Drum-Gruppe hinzu und wähle das Preset „Drum Bus“. Passe Threshold, Attack und Release nach Belieben an.

So klingt der Drum-Bus vor und nach dem Processing:
2. Eine Bassline bauen
Als Nächstes erstellen wir eine Bassline, die perfekt mit der Kick-Drum harmoniert. Welcher Bass-Sound am besten passt, hängt von deiner Kick und der gewünschten Spielart des Progressive House ab. Durchstöbere zum Beispiel die Presets in FM8 oder schraube deinen eigenen Sound von Grund auf.

Weitere hervorragende Optionen für Bass-Sounds sind Massive X oder die Our House Expansion für Massive X. Achte darauf, dass der Sound deine Kick-Drum optimal ergänzt.
Programmiere ein Bassline-Pattern in der Tonart deines Tracks – entweder als clubbiges Ein-Ton-Pattern oder mit wechselnden Noten.

Lege einen Kompressor auf deine Bass-Spur und steuere ihn per Sidechain über die Kick-Drum an. Stelle den Threshold des Kompressors so ein, dass er die Transienten des Basses absenkt – so setzt sich die Kick-Drum im Mix mühelos durch.

3. Akkorde komponieren
Erstelle einen neuen MIDI-Track und einen leeren 4-Takt-MIDI-Clip und lade Kontakt 7. Erstelle Akkorde für deinen Track, indem du Hybrid Keys (für Vintage-Klaviersounds) oder ein Piano-Instrument wie Alicia’s Keys, Una Corda oder Noire lädst.

Zeichne eine Akkordfolge in der Tonart deines Tracks ein. Du könntest damit anfangen, das MIDI-Pattern deiner Bassspur zu kopieren, es um ein paar Oktaven nach oben zu verschieben und daraus deine Dreiklänge oder deine Akkordfolge aufzubauen. Wenn du das MIDI-Pattern der Bassline nutzt, kannst du dasselbe rhythmische Pattern direkt für die Akkorde verwenden. Falls du mit Musiktheorie oder Akkordfolgen nicht so vertraut bist, probiere Playbox oder ein Tool wie Captain Plugins Epic aus, um Akkorde zu erstellen.

Um den Akkorden mehr Räumlichkeit zu verleihen, füge das Reverb RC 48 hinzu und wähle das Preset Small Hall. Dreh das Pre-Delay ganz auf null herunter.
Füge als Nächstes mit Replika ein Delay hinzu. Nutze den Vintage-Digital-Delay-Modus mit einem punktierten 1/8-Delay. Stell den Mix auf 80/20 (20 % des Wet-Delay-Signals werden zum Dry-Signal hinzugemischt) und dreh den Low-Cut auf 100.
Füge schließlich einen EQ in deiner DAW hinzu, um das Low-End des Signals unter etwa 150 Hz abzusenken. Für einen brillanteren Sound kannst du außerdem die Mitten um ca. 1,41 kHz leicht anheben.
4. Einen String-Hit erstellen
Ein String-Hit ist eine hervorragende Ergänzung für den Groove eines Progressive-House-Tracks. Erstelle zunächst einen MIDI-Track und einen leeren 1-Takt-MIDI-Clip. Füge Kontakt 7 auf der Spur ein und wähle dein bevorzugtes Streicher-Instrument, etwa Session Strings. Wähle ein Pizzicato-Preset aus und setze eine MIDI-Note auf den Grundton der Tonart deines Tracks.

Damit dein String-Hit etwas mehr Swing bekommt, stell das MIDI-Grid auf 1/32 T (auf dem Mac mit Befehlstaste + 1). Setze den String-Hit dorthin, wo er am besten zum Groove deiner Akkorde passt. Im folgenden Beispiel liegt der String-Hit kurz vor 1.4.3.

5. Gehaltene Streicher hinzufügen
Ein klassischer gehaltener Streicher-Sound sorgt in deinem Progressive-House-Track für Atmosphäre. Erstelle einen neuen MIDI-Track und einen leeren MIDI-Clip mit der Länge von einem Takt. Lade Massive X darauf. Wähle in der Our House Massive X Expansion einen Synth-Pad-Sound wie Ocean Farm und programmiere eine MIDI-Note in der Tonart deines Tracks.

So sieht das Ganze in der DAW aus:

6. Eine Melodie schreiben
Für deinen Progressive-House-Track brauchst du eine eingängige Melodie. Wenn du Klavier spielen kannst oder Melodien direkt in deiner DAW komponierst, kannst du die Melodie einfach auf dem Keyboard einspielen oder die Hauptmelodie via MIDI programmieren.
Wenn du etwas Neues ausprobieren möchtest, gibt es hier eine spannende Methode, um Melodien mit Komplete Kontrol zu programmieren. Erstelle einen leeren MIDI-Track und einen 4-Takt-MIDI-Clip. Lade Komplete Kontrol und öffne dein Lieblingsinstrument, zum Beispiel Hybrid Keys. Erstelle mit MIDI-Noten eine einfache Melodie in der Tonart deines Tracks. Navigiere in Komplete Kontrol zur Scale-Sektion und wähle den Grundton deines Tracks sowie die Skala aus.

Gehe zur Arp-Sektion, wähle entweder Up oder Down und 1/16 als Rate. Verwende den A/B-Button unten rechts, um die Balance zu verändern – das lässt sich in deiner DAW wunderbar automatisieren, um mehr Abwechslung in deinen Track zu bringen.

7. Effekte hinzufügen
Am natürlichsten klingen Effekte, die aus Elementen des Tracks selbst stammen. Eine spannende Idee: Erstelle einen Return-Track in deiner DAW und lade das Reverb-Plug-in RC 48. Wähle ein räumliches Reverb-Preset wie Huge Vocal oder probiere die Sound-Effect-Presets für interessante Effekte aus.

Schicke eine Hi-Hat oder ein Clap auf den Return-Track und schalte ihn solo, um das Ergebnis zu hören. Erstelle nun einen neuen Audio-Track und setze „Audio From“ (den Audioeingang) auf den Return-Track mit RC 48. Schalte den neuen Audio-Track auf Aufnahme und nimm das Percussion-Element mit dem langen Reverb auf.
Sobald die Aufnahme fertig ist, kannst du diese Audiodatei in dein Arrangement ziehen, editieren, rückwärts abspielen lassen und mit noch mehr Reverb oder Filtern bearbeiten, um natürlich klingende Effekte für deinen Track zu kreieren.

8. Arrangement
Der beste Weg, das Arrangieren eines Tracks zu lernen: Nutze Referenz-Tracks. Hör dir deine liebsten Progressive-House-Tracks an und analysiere, wie die Producer*innen den Track arrangiert haben.
Zu Beginn eines Progressive-House-Tracks steht meist ein perkussives Intro, bevor im weiteren Verlauf nach und nach weitere Elemente dazukommen. Ein starker Track lebt von Kontrasten, die durch gegensätzliche Elemente in Buildup und Drop entstehen. Das Arrangement eines Progressive-House-Tracks könnte zum Beispiel so aussehen:
- Intro
- Aufbau / Break
- Full Beat
- Main Buildup
- Main Drop
- Buildup / Drop / Dekonstruktion
- Outro
So klingt unser Track mit all den hinzugefügten Elementen:
9. Deinen Track mischen und mastern
Wenn du neu beim Mischen von Musik bist, kannst du Neutron 4 von iZotope für den Mix deines Tracks verwenden. Nutze zuerst den Assistant und passe dann die Parameter in der Assistant View an, um den gewünschten Sound zu erzielen. Bei Bedarf kannst du noch tiefer einsteigen und Module wie EQ, Unmask und mehr nutzen.
Eine gemasterte Version, die du im Club spielen oder als Demo an Labels schicken kannst, erstellst du im Handumdrehen mit dem Master Assistant in iZotope Ozone 11.

Hier ist die finale, gemasterte Version unseres Progressive-House-Tracks:
Jetzt eigenen Progressive House produzieren
Jetzt weißt du, wie Progressive House aufgebaut ist – Zeit, deine eigenen Tracks zu produzieren! Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wie man elektronische Musik produziert, wie du House-Tracks erstellst oder Styles wie Future Bass oder Dubstep lernst, wirf einen Blick in die weiteren Artikel auf unserem Blog.
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